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Anthropic acquires Vercept to give Claude sharper eyes for reading and…

Anthropic stärkt Claude: KI lernt Bildschirme zu verstehen

Lutz Magnus Feldhege
27. Februar 2026
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Anthropic stärkt Claude: KI lernt Bildschirme zu verstehen Vor wenigen Tagen übernahm das KI-Unternehmen Anthropic das Start-up Vercept. Der Grund: Vercepts Modell „VyUI“ soll Claudes Fähigkeiten erweitern, Computerbildschirme zu lesen und zu steuern. Für den deutschen Mittelstand könnte das ein wichtiger Schritt sein – nicht als ferne Zukunftsmusik, sondern als konkrete Chance, Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten. Was bedeutet das für Unternehmen? Bisher scheitern viele KI-Anwendungen daran, dass sie nicht mit grafischen Oberflächen umgehen können. Ob ERP-Systeme, branchenspezifische Software oder einfache Tabellenkalkulationen – KI-Systeme wie Claude verstehen zwar Texte, aber keine Buttons, Diagramme oder Formulare. Vercepts Technologie schließt diese Lücke. Sie ermöglicht es der KI, Bildschirminhalte nicht nur zu erkennen, sondern auch gezielt zu bedienen. Das ist kein theoretischer Fortschritt, sondern eine praktische Erweiterung: KI könnte bald eigenständig Daten aus alten Systemen extrahieren, Berichte generieren oder sogar Routineaufgaben in komplexen Programmen übernehmen. Wie sieht das in der Praxis aus? Stellen Sie sich einen mittelständischen Maschinenbauer vor, der täglich Hunderte von Auftragsbestätigungen in einem veralteten Warenwirtschaftssystem erfasst. Die Daten liegen als PDFs vor, die Software hat keine Schnittstelle für automatischen Import. Bisher müssen Mitarbeiter die Informationen manuell abtippen – ein zeitaufwändiger, fehleranfälliger Prozess. Mit einer KI wie Claude, die Bildschirme lesen und steuern kann, ließe sich das ändern. Die KI könnte die PDFs öffnen, die relevanten Felder identifizieren und die Daten direkt in das System eintragen. Das spart nicht nur Zeit, sondern reduziert auch Übertragungsfehler. Ähnliche Anwendungen sind in der Buchhaltung denkbar, wo KI Rechnungen prüft oder Zahlungseingänge mit Bestellungen abgleicht. Selbst in der Produktion könnte die Technologie helfen, indem sie Maschinenbedienoberflächen überwacht und bei Abweichungen eingreift. Doch es gibt auch Gründe zur Vorsicht. Die Integration solcher Systeme erfordert klare Regeln. Eine KI, die Bildschirme steuert, muss genau wissen, welche Aktionen erlaubt sind – und welche nicht. Ein falscher Klick in einem Finanzsystem könnte schwerwiegende Folgen haben. Zudem sind viele mittelständische Unternehmen auf individuelle Softwarelösungen angewiesen, die nicht standardisiert sind. Hier muss geprüft werden, ob die KI mit den spezifischen Oberflächen zurechtkommt. Datenschutz ist ein weiteres Thema: Wenn die KI Bildschirminhalte analysiert, dürfen keine sensiblen Daten ungewollt weitergegeben werden. Anthropic betont zwar, dass die Technologie lokal einsetzbar ist, doch die Umsetzung bleibt Aufgabe der Unternehmen. Für den Mittelstand lohnt es sich, jetzt aktiv zu werden. Der erste Schritt ist keine große Investition, sondern eine Bestandsaufnahme. Analysieren Sie Ihre Prozesse: Wo werden Daten manuell von einem System ins andere übertragen? Wo arbeiten Mitarbeiter mit veralteten Oberflächen, die keine Schnittstellen bieten? Dokumentieren Sie diese Abläufe und prüfen Sie, ob eine KI-Lösung wie Claude mit Bildschirmsteuerung hier unterstützen könnte. Parallel sollten Sie mit Ihrem IT-Dienstleister sprechen, um die technischen Voraussetzungen zu klären. Viele Anbieter entwickeln bereits Schnittstellen für solche Anwendungen. Ein konkretes Projekt könnte mit einem überschaubaren Pilotbereich starten – etwa der automatischen Erfassung von Lieferantenrechnungen. So sammeln Sie Erfahrungen, ohne große Risiken einzugehen. Die Technologie ist noch jung, aber sie entwickelt sich schnell. Wer jetzt die Weichen stellt, ist später einen Schritt voraus.